Idee und Aufbau der Sonderausstellung
„Unterrock-Unerhört Unerkannt“
„Unterrock-Unerhört Unerkannt“
Die Donauschwaben
Manchmal beginnen die besten Ausstellungsideen ganz unspektakulär und mit viel zu viel Stoff.
Die Donauschwaben in Marchtrenk genießen einen ausgezeichneten Ruf. Wer ein Stück aus dem Familiennachlass gut aufgehoben wissen will, bringt es vertrauensvoll den dort handelnden Personen. So wächst die Sammlung stetig – und manchmal schneller, als man denkt.
Eines Tages also stand das Museumsteam vor einer kaum überschaubaren Fülle an Unterröcken. Wirklich viele Unterröcke. Gestärkt, gefältelt, geblümt, bestickt – jede Schachtel barg neue Schätze.
Und mit ihnen auch ein Problem: Was tun wir mit dieser Menge?
So wurde ich um Rat gefragt. Und eine Kulturhuberei Antwort konnte nur „Sonderausstellung!!“ lauten. Erst Lachen, dann Stirnrunzeln, schließlich Neugier. Eine Ausstellung nur über Unterröcke – konnte das funktionieren? Es konnte. Und wie!
Vom Lächeln zur Idee
Was als augenzwinkernde Idee begann, wurde schnell zu einem ernsthaften Konzept. Denn wer sich mit der Geschichte dieser Kleidungsstücke beschäftigt, merkt rasch: Der Unterrock war kein nebensächliches Textil, sondern das Fundament donauschwäbischer Festkleidung – formgebend, identitätsstiftend, und manchmal auch eine kleine Zumutung.
Fünf gestärkte Unterröcke unter einem Rock waren keine Seltenheit. Schönheit und Disziplin hatten Gewicht. Was auf den ersten Blick zum Schmunzeln einlädt, erzählt auf den zweiten von weiblicher Arbeit, gesellschaftlichen Normen und dem Stolz, Teil einer Gemeinschaft zu sein.



Vom Konzept zur Ausstellung
So begannen wir das Konzept für die Sonderausstellung „Unterrock – Unerhört Unerkannt“ zu entwickeln. Sie richtet den Blick auf das Unsichtbare – auf das, was Frauen über Generationen hinweg getragen und ertragen haben.
Die Ausstellung ist in mehrere Themenräume gegliedert:
In Zusammenarbeit mit der Werbeagentur Christian Gufler wurden an das Raumkonzept angepasste Texttafeln für die Wand hergestellt. Sie dienen dazu, sich in die genannten Themen weiter vertiefen zu können.

Vom Aufbewahren und Anziehen
Bei der Gestaltung der Ausstellung haben wir versucht, das Alltägliche sichtbar zu machen. Aus einem alten Kasten haben wir die Laden ausgebaut und ihnen Beine verpasst. So sind daraus eigenständige Ausstellungsvitrinen geworden – gefüllt mit gefalteten Unterröcken, genau so, wie sie einst aufbewahrt wurden: sorgsam geschichtet, selten gewaschen, für Generationen aufgehoben.
Daneben Gegenstände, die vom Pflegealltag erzählen: schwere Kohlebügeleisen, eine alte Nähmaschine, Wäschestärke und handgesiedete Seifen. Sie alle zeigen, dass hinter jeder Lage Stoff eine Menge Arbeit steckte – und eine gehörige Portion Geduld. Und nicht unwesentlich, die Unterröcke können, ja sollen berührt werden.
Ein besonderer Schatz ist unser „Anziehfilm“ von 1986: auf Super 8 privat gedreht, liebevoll vertont. Er zeigt eine junge Frau beim Ankleiden ihrer Festtagstracht – Schicht für Schicht, unterstützt von zwei Helferinnen. In wenigen Minuten wird sichtbar, was Worte kaum fassen können: wie viel Zeit, Geschick und Stolz in diesen Kleidungsstücken steckten.
Vom Stoff zur Bedeutung
Im Zentrum steht immer der Respekt vor den Menschen, deren Kleidung hier gezeigt wird. Die Ausstellung nimmt die Unterröcke ernst – aber nicht zu ernst. Besucherinnen und Besucher dürfen schmunzeln, staunen, sich wundern und vielleicht auch ein bisschen nachempfinden, wie es war, sich in fünf Lagen Stoff zu bewegen, ohne sich setzen zu können.
Gleichzeitig öffnet die Schau den Blick für größere Themen: für Handwerk, Schönheit, gesellschaftliche Rollenbilder und für die Frage, was Kleidung über uns erzählt – damals wie heute.
Und wer schließlich unter dem großen, schwebenden Unterrock steht, liest dort die handgeschriebenen Erinnerungen und Lieblingsmomente anderer Besucherinnen. Dann merkt man: Dieses unscheinbare Kleidungsstück ist ein wunderbarer Schlüssel zu Geschichte, Erinnerung und Identität.
Und am Ende bleibt ein Lächeln
Wenn ich heute durch die Ausstellung gehe, denke ich oft daran, wie alles begann – mit einer Fülle an Unterröcken und der Frage: Was machen wir nur damit? Jetzt liegen und stehen sie da, gefaltet und ausgeleuchtet, umgeben von all den Dingen, die ihren Alltag prägten. Und plötzlich erzählen sie Geschichten – von Frauen, die nähten, stärkten, bügelten, lachten, litten und stolz waren auf das, was sie geschaffen hatten.
„Unterrock – Unerhört Unerkannt“ ist keine große Modegeschichte, sondern eine kleine Alltagsgeschichte. Sie zeigt, dass auch das Unsichtbare Bedeutung hat – und dass aus einer verrückten Idee etwas sehr Schönes entstehen kann.


